Der größte Wendepunkt auf meinem bisherigen Weg fand 2016 statt. Mir war bereits klar, dass einiges in meinem Leben nicht mehr passte. Einen Jobwechsel hatte ich bereits eingeleitet und mir so den Raum für eine 2-monatige Auszeit verschafft. Rückblickend muss ich schmunzeln, was ich mir für diese Zeit vorgenommen habe: Eine Alpenüberquerung mit Rucksack auf abgelegenen Pfaden durch das Hochgebirge.
Ein anderes Leben
Ich habe immer gerne Sport gemacht, stand mit 2 ½ Jahren zum ersten Mal auf Skiern und hab die Jungs beim Straßenfussball so lange genervt, bis ich mitspielen durfte. Mit 16 habe ich mir zum ersten Mal eine Schulter beim Volleyball spielen ausgekugelt. Mit 18 folgte der erste Kreuzbandriss beim Skifahren im Funpark.
Weil ich den Schnee und die Berge nicht missen wollte, begann ich kurz darauf mit dem Skitourengehen und entdeckte so meine große Leidenschaft: Ab diesem Moment verbrachte ich jede freie Minute in den Bergen, am liebsten im Hochgebirge.
Schon damals riefen mich die Spirits der Natur
Fernab der Menschen in unmittelbarem Kontakt mit der Natur und mir selbst. Was ich allerdings nicht hinter mir lassen konnte, waren die Verletzungen – und jede neue Verletzung nahm mir ein Stückchen meines Glücksgefühls am Berg.
2016 hatte ich bereits zwei Jahre in den Knochen, in denen ich zwar noch in die Berge ging, aber deswegen im ewigen Kampf mit mir selbst war. Es fiel mir schwer mich dafür zu motivieren, es war unendlich anstrengend und die Glücks- und Kraftmomente von früher hatte ich lange nicht mehr erlebt.
Warum ich trotzdem weiter machte? Weil ich mich an all das Glück und die Kraft sehr wohl erinnerte, und nicht loslassen konnte, dass ich sie in den Bergen nicht mehr fand. Ich wusste nicht, was mein Leben sonst (er-)füllen sollte.
Also machte ich mich auf, die Alpen zu überqueren – mit gaaanz viel Ruhe und Zeit. So dachte ich. Bereits an Tag 2 hatte ich dermaßen Knieschmerzen, dass ich mir eingestehen musste: Es geht nicht.
Ich fuhr mit dem Zug nach Slowenien, dort waren Freunde zum Klettern. Aber auch das ging nicht. Ich fuhr nach Hause. Dort fiel mir die Decke auf den Kopf. Also keine Berge – so viel war klar. Aber was dann?
Davonlaufen klappt nicht
Am Ende buchte ich Flüge nach Portugal. Eine Woche Surf & Yoga Camp, die restlichen drei Wochen mal sehen. Tag 2 im Camp: Meine Schulter kugelt aus. Als wäre das nicht genug, stelle ich mich zwei Tage später erneut auf’s Brett. Zack, Schulter wieder raus. Und ich diesmal wirklich am Ende.
Ich wollte nicht mehr. Und ich konnte auch nicht mehr. Ganz ehrlich, wahrscheinlich war das der tiefste Punkt, an dem ich jemals war – und wahrscheinlich musste er sein, um zu erleben, was dann folgte:
Die Camp Leiterin schickte mich am selben Abend zu einer Schamanin.
Tränen – das heilende Wasser
Und diese erzählte mir Dinge über mich, die sie einfach nicht wissen konnte. Ich weinte. Ich weinte nahezu die kompletten beiden Stunden, in denen ich bei ihr war. Ich weinte auf dem Weg ins Camp, und ich weinte in meinem Bett bis ich endlich eingeschlafen war.
Am nächsten Tag setze ich mich einfach nur an den Strand und guckte auf’s Meer. Und am Tag darauf entschied ich, nochmal einen Versuch auf dem Surfbrett zu wagen.
Das Brett unterm Arm und die Füße im Meer hielt ich einen Moment inne. Spürte einfach nur, wie das Wasser meine Haut umspülte und mich im Sand etwas einsinken ließ. Ich atmete. Ich war leer. Die anderen waren bereits weiter draußen auf dem Meer. Es störte mich nicht, keine Stimme in mir, die sich deswegen bei mir meldete.
Ich ging tiefer ins Wasser, legte mich auf’s Brett, wartete, stand mit der Bewegung der Welle auf und glitt mit ihr gen Ufer – es war so leicht.
Und genau in diesem Moment verstand ich, spürte ich in jeder Faser meines Körpers: Wenn ich mich der Bewegung des Wassers hingebe, werde ich getragen.
Es war dieser Moment in dem ich alles verstand, was bis zu diesem Punkt passiert war – alles machte auf einmal Sinn. Das Wasser und das Surfbrett lehrten mich zu spüren, wohin mein Leben fließen möchte. Sie lehrten mich, meine Kraft nicht gegen, sondern für mich einzusetzen. Und meinen Weg gemeinsam mit mir und meiner Seele zu gehen ♥
Und genau das war der Startpunkt in ein neues Leben für mich.
